Kapitel 12 – Wie geht es weiter
Was lernst du in diesem Kapitel
Du schaust zurück auf das, was du in elf Kapiteln gelernt hast, und legst fest, wie du Claude in den nächsten Wochen benutzt, damit es nicht beim Kurs bleibt. Du erfährst, wo du Hilfe bekommst, wenn etwas nicht klappt, und bekommst ein realistisches Bild davon, was du in einem Jahr können wirst.
Der neue Weg zum Bäcker
Wer in einen neuen Ort zieht, kennt das: Die ersten Wochen braucht man für den Weg zum Bäcker eine Wegbeschreibung. Nach einem Monat geht man ihn, ohne nachzudenken. Nach einem Jahr kennt man drei Abkürzungen und weiß, wann die Brezeln frisch sind.
So ist es mit Claude. Im Kurs hast du jeden Schritt einzeln gelernt: anmelden, fragen, nachbessern, kopieren, Foto hochladen, nachprüfen. Das fühlt sich noch nach Wegbeschreibung an. Das Ziel der nächsten Wochen ist, dass es ein Weg wird, den du ohne Anleitung gehst. Dafür braucht es nur eines: dass du ihn regelmäßig gehst. Nicht viel, aber regelmäßig.
Was du jetzt kannst
Ein kurzer Rückblick, Kapitel für Kapitel, damit du siehst, wie viel es ist.
Du weißt, was ein KI-Assistent ist und was nicht: ein belesener, geduldiger Bekannter, der dich nicht kennt und sich irren kann (Kapitel 1). Du kennst Claude, ChatGPT und Gemini und weißt, dass sie im Kern gleich funktionieren (Kapitel 2). Du hast ein Konto und kannst dich ohne Passwort anmelden (Kapitel 3). Du kannst ein Gespräch führen, nachfragen, ein neues beginnen und ein altes löschen (Kapitel 4). Du weißt, dass eine gute Bitte sagt, was entstehen soll, für wen, wie lang und in welchem Ton, und du hast eine Dauerregel hinterlegt (Kapitel 5). Du lässt dir Briefe und E-Mails schreiben und bringst sie mit Strg + C und Strg + V in dein E-Mail-Programm (Kapitel 6). Du lässt dir Behördenbriefe, Beipackzettel und Verträge erklären und prüfst Fristen am Original (Kapitel 7). Du nutzt Claude für Rezepte, Reisen, Hobbys, Listen und Fremdsprachen und weißt, dass Tagesaktuelles seine Schwäche ist (Kapitel 8). Du lädst Fotos und Dateien hoch (Kapitel 9). Du kannst sprechen statt tippen (Kapitel 10). Und du hast eine Merkkarte, was du nie eingibst, und eine Regel, was du immer nachprüfst (Kapitel 11).
Das ist mehr, als die meisten Menschen über diese Programme wissen, auch viele Jüngere.
Die eigene Gewohnheit
Aus dem Kurs allein wird keine Gewohnheit. Eine Gewohnheit entsteht, wenn du Claude an feste Anlässe in deinem Alltag hängst. Zwei Anlässe reichen. Hier sind Vorschläge, such dir zwei aus oder erfinde eigene:
Der Einkaufszettel: Jedes Mal, wenn du eine Einkaufsliste brauchst, lässt du sie dir von Claude sortieren, nach Abteilungen im Supermarkt.
Der schwierige Brief: Jeder Brief von Behörde, Versicherung oder Bank wird zuerst fotografiert und erklärt, bevor du ihn dreimal liest.
Der Glückwunsch: Jeder Geburtstag im Kalender bekommt einen Glückwunsch, den Claude vorformuliert und du persönlich machst.
Das Rezept am Freitag: Was noch im Kühlschrank ist, wird am Freitag zu einer Frage an Claude.
Die Wochenfrage: Einmal in der Woche eine Frage, die dich schon lange beschäftigt und die du nie jemandem gestellt hast, weil sie dir zu klein vorkam.
Schreibe deine zwei Anlässe auf einen Zettel und hänge ihn dorthin, wo der Anlass auftritt: an den Kühlschrank, in den Briefkasten, in den Kalender.
Und ein Hinweis aus Kapitel 1: Es gibt keine Pflicht. Wer Claude drei Wochen nicht braucht, hat nichts falsch gemacht. Das Konto wartet.
Schritt für Schritt: Der Wochenplan für die ersten vier Wochen
- Woche eins: Nur die zwei Anlässe. Jedes Mal, wenn einer eintritt, gehst du zu Claude. Sonst nichts. Wenn etwas nicht klappt, schaust du in das passende Kapitel, nicht in alle.
- Woche zwei: Zusätzlich einmal die Websuche ausprobieren (Kapitel 8) und einmal ein Foto hochladen (Kapitel 9), egal wofür. Damit die beiden Handgriffe nicht verloren gehen.
- Woche drei: Einmal dieselbe Frage bei ChatGPT oder Gemini stellen (Kapitel 2 und 11). Damit du merkst, dass dein Wissen dort auch gilt.
- Woche vier: Schau in deine Gesprächsliste links. Was steht da? Das sind deine echten Anwendungen. Lösche, was du nicht behalten willst, und benenne um, was du wiederfinden willst. Dann lege die nächsten zwei Anlässe fest, oder behalte die alten.
- Nach vier Wochen: Lies deine Dauerregel aus Kapitel 5 noch einmal und ergänze, was dir inzwischen aufgefallen ist, zum Beispiel „Antworte immer mit höchstens zehn Sätzen" oder „Sprich mich mit Du an".
Wo du Hilfe bekommst
Claude selbst: Das ist die erste Anlaufstelle, und viele vergessen sie. Wenn du nicht weißt, wo ein Knopf ist, frage Claude: „Wo finde ich in deinen Einstellungen die Datenschutz-Einstellung?" oder „Wie lade ich ein Foto hoch?" Er erklärt seine eigene Oberfläche meist richtig, und wenn nicht, merkst du es schnell.
Die Hilfeseiten des Anbieters: Unter support.claude.com gibt es Anleitungen zu allen Funktionen, teils auf Englisch. Du kannst den Text kopieren und dir von Claude übersetzen lassen. Wie man dort Kontakt zum Anbieter aufnimmt, steht ebenfalls auf diesen Seiten.
Menschen: Die Kursleitung, wenn du diesen Kurs vor Ort gemacht hast. Angehörige, die schon einen der Assistenten nutzen. Volkshochschulen bieten in vielen Orten Kurse und Sprechstunden zu Computer und Handy an. Manche Gemeinden, Bibliotheken und Seniorenbüros haben ehrenamtliche Computerhelfer. Welche Anlaufstellen es in deiner Nähe gibt, trägst du hier ein:
Meine Anlaufstelle 1: …………………………………………
Meine Anlaufstelle 2: …………………………………………
Dieses Heft: Jedes Kapitel ist eigenständig lesbar. Wenn etwas nicht klappt, gehe zum „Was tun, wenn …"-Block des passenden Kapitels. Die häufigsten Probleme stehen dort.
Was du in einem Jahr können wirst
Kein Versprechen, sondern eine Erfahrung mit vielen, die so angefangen haben wie du.
In einem Jahr wirst du Claude so selbstverständlich benutzen wie heute die Suchmaschine oder das Telefon. Du wirst nicht mehr überlegen, wie man eine gute Bitte formuliert, du wirst es einfach tun. Du wirst Briefe in fünf Minuten erledigen, für die du früher einen Abend gebraucht hast. Du wirst einen Behördenbrief fotografieren, bevor du ihn liest. Du wirst ein Gespür dafür haben, wann Claude rät und wann er weiß.
Und du wirst Dinge damit machen, die in diesem Kurs nicht vorkommen, weil sie zu dir gehören: die Familienchronik ordnen, Vereinsprotokolle schreiben, die Vorträge für den Wanderverein vorbereiten, mit dem Enkel in Australien auf Englisch schreiben, das alte Kochbuch der Mutter abtippen und umrechnen lassen.
Was sich nicht ändern wird: Claude wird sich weiter irren, und du wirst weiter nachprüfen, was wichtig ist. Die Programme werden besser, aber die Postkarten-Regel und die Nachprüf-Regel bleiben. Wer sie kann, ist auf der sicheren Seite, egal, was die Anbieter im nächsten Jahr umbauen.
So geht es bei ChatGPT / Gemini
Alles in diesem Kapitel gilt für alle drei. Wenn du in einem Jahr lieber einen anderen Assistenten nutzt, ist nichts von dem verloren, was du hier gelernt hast.
Übung: Die eigene Merkkarte (etwa 15 Minuten, von Hand)
Diese Übung findet ohne Computer statt, so wie die erste in Kapitel 1.
Nimm ein festes Blatt, eine Karteikarte oder eine Postkarte. Schreibe von Hand die drei Regeln darauf, die dir aus dem ganzen Kurs am wichtigsten sind. Nicht mehr als drei. In deinen eigenen Worten.
Zum Vergleich, so könnte eine Karte aussehen:
1. Sagen, was ich will: für wen, wie lang, welcher Ton.
2. Nichts eingeben, was nicht auf eine Postkarte gehört.
3. Geld, Gesundheit, Recht, Fristen: erst nachprüfen, dann handeln.
Darunter schreibst du deine zwei Anlässe aus dem Abschnitt „Die eigene Gewohnheit".
Die Karte kommt neben den Bildschirm. Sie ist das Einzige aus diesem Kurs, das du jeden Tag sehen wirst. Der Rest ist Nachschlagen.
Hole zum Schluss den Zettel aus Kapitel 1 hervor, den mit den drei Fragen und dem Satz, was du niemals eingeben würdest. Lies ihn noch einmal. Vergleiche ihn mit dem, was du heute weißt.
Was tun, wenn …
… du nach drei Wochen merkst, dass du Claude gar nicht benutzt hast? Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Es fehlt kein Wissen, es fehlt der Anlass. Nimm den Zettel mit den zwei Anlässen und hänge ihn woanders hin, wo du ihn wirklich siehst. Oder wähle einen kleineren Anlass: nicht „der schwierige Brief", sondern „jede Einkaufsliste".
… sich die Oberfläche von Claude verändert hat und die Anleitung im Heft nicht mehr stimmt? Das wird passieren, wahrscheinlich innerhalb eines Jahres. Die Knöpfe wandern, die Namen ändern sich, die Abläufe bleiben. Suche nach dem Knopf mit ähnlicher Bedeutung, oder frage Claude selbst, wo etwas hingewandert ist. Alles, was in diesem Heft über Bitten, Nachbessern, Nachprüfen und die Postkarten-Regel steht, veraltet nicht.
… du das Gefühl hast, andere seien viel weiter? Manche sind es. Die meisten nicht; sie wirken nur so, weil sie schneller klicken. Klicken ist nicht Verstehen. Wer die drei Regeln auf der Merkkarte kann, hat mehr verstanden als viele, die täglich klicken.
Zusammenfassung
Du hast in elf Kapiteln alles gelernt, was du für den Alltag mit Claude brauchst, vom Anmelden bis zum Nachprüfen; jetzt fehlt nur die Gewohnheit, und die entsteht aus zwei festen Anlässen, an die du Claude hängst. Hilfe bekommst du zuerst von Claude selbst, dann von den Hilfeseiten des Anbieters, von Menschen in deiner Nähe und aus den „Was tun, wenn …"-Blöcken dieses Hefts. In einem Jahr wirst du Claude so selbstverständlich benutzen wie das Telefon, und die Postkarten-Regel und die Nachprüf-Regel werden immer noch gelten.