Kapitel 1 von 12

Kapitel 1 – Was eine KI ist und was sie nicht ist

Was lernst du in diesem Kapitel

Du erfährst, was ein KI-Assistent ist, was er gut kann und wo seine Grenzen liegen. Vor allem bekommst du Antworten auf die vier Sorgen, die fast jeder am Anfang hat. In diesem Kapitel musst du noch nichts anklicken. Du kannst es in Ruhe im Sessel lesen.

Was ist eine KI überhaupt

KI ist die Abkürzung für „Künstliche Intelligenz". Das Wort klingt groß. Dahinter steckt für unseren Kurs etwas ganz Bestimmtes: ein Programm, mit dem du dich schriftlich unterhalten kannst. Du schreibst eine Frage oder eine Bitte hinein, und das Programm antwortet in ganzen Sätzen. Solche Programme heißen KI-Assistenten. Die drei bekanntesten sind Claude, ChatGPT und Gemini. In diesem Kurs arbeiten wir hauptsächlich mit Claude.

Stell dir einen Bekannten vor, der unglaublich viel gelesen hat. Zeitungen, Bücher, Lexika, Kochbücher, Gebrauchsanleitungen, Briefe, Gedichte, alles, was jemals aufgeschrieben wurde. Dieser Bekannte hat unendlich Geduld. Du kannst ihn zehnmal dasselbe fragen, und er wird nie ungeduldig. Er hat Tag und Nacht Zeit. Und er antwortet sofort.

Aber dieser Bekannte hat auch zwei Eigenheiten.

Erstens: Er kennt dich nicht. Er weiß nicht, wie du heißt, wo du wohnst, wen du liebst oder was du gestern gemacht hast. Alles, was er über dich weiß, ist das, was du ihm in diesem Moment schreibst.

Zweitens: Er ist sehr selbstsicher, auch wenn er sich irrt. Er hat so viel gelesen, dass er fast immer eine Antwort hat. Manchmal ist die Antwort falsch. Er sagt das dann nicht. Er klingt genauso überzeugt wie bei einer richtigen Antwort.

Mit diesem Bild kommst du durch den ganzen Kurs: ein sehr belesener, sehr geduldiger Bekannter, der dich nicht kennt und sich irren kann.

Wie kommt das Programm auf seine Antworten

Das Programm hat beim Bauen riesige Mengen Text „gelesen". Daraus hat es gelernt, welche Wörter üblicherweise aufeinander folgen. Wenn du fragst „Wie funktioniert ein Kühlschrank?", dann sucht es nicht in einem Lexikon nach dem Artikel „Kühlschrank". Es setzt Wort für Wort einen Text zusammen, der zu deiner Frage passt. So ähnlich, wie du einen Satz zu Ende sprechen kannst, den jemand anderes begonnen hat.

Das erklärt beides: Warum die Antworten so natürlich klingen, und warum sie manchmal falsch sind. Das Programm baut wahrscheinliche Sätze. Wahrscheinlich ist meistens richtig. Aber nicht immer.

Was ein KI-Assistent gut kann

Texte schreiben: Briefe, Glückwünsche, Beschwerden, E-Mails. Du sagst, was drinstehen soll, er macht den Entwurf.

Texte erklären: Ein schwieriges Schreiben vom Amt oder einen Beipackzettel in einfache Worte übersetzen.

Fragen beantworten: Allgemeines Wissen, wie etwas funktioniert, was ein Wort bedeutet.

Ideen geben: Was koche ich aus dem, was im Kühlschrank ist? Was schenke ich meiner Nachbarin?

Übersetzen: Einen Satz ins Englische, Französische, Türkische.

Was ein KI-Assistent nicht ist

Er ist keine Person. Er hat keine Gefühle, keine Meinung und keine Absicht. Wenn er schreibt „Gerne helfe ich dir", dann ist das ein gelernter Satz, keine Freundlichkeit.

Er weiß nichts über dich. Er sieht nicht deinen Bildschirm, nicht deine Fotos, nicht deine E-Mails. Er weiß nur, was du in das Gespräch hineinschreibst.

Er ist kein Lexikon. Er hat kein Wissen, in dem er nachschlägt. Bei Zahlen, Daten, Namen und Adressen musst du deshalb nachprüfen. Dazu kommen wir in Kapitel 11 ausführlich.

Er ist kein Arzt, kein Anwalt und kein Bankberater. Er kann erklären, was in einem Schreiben steht. Er kann nicht entscheiden, was du tun sollst.

Die vier Sorgen

Fast jeder, der zum ersten Mal vor so einem Programm sitzt, hat dieselben vier Sorgen. Sie sind alle berechtigt. Hier sind die Antworten, bevor du irgendetwas anklicken musst.

Sorge 1: Kann ich etwas kaputt machen?

Nein.

Der KI-Assistent ist wie ein Blatt Papier, auf das du etwas schreibst. Du kannst es beschreiben, zerknüllen und wegwerfen. Am Tisch, am Zimmer und am Haus ändert sich nichts.

Genauso ist es am Computer. Der Assistent läuft in einem Fenster im Internet. Er kann nichts auf deinem Computer löschen, verändern oder verstellen. Er kann nicht an deine Fotos, nicht an deine E-Mails, nicht an deine Dateien. Wenn dir eine Antwort nicht gefällt, schließt du das Fenster, und alles ist wie vorher.

Es gibt keinen falschen Knopf, mit dem du etwas Schlimmes auslöst. Das Schlimmste, was passieren kann: Du bekommst eine Antwort, die dir nicht hilft. Dann fragst du einfach noch einmal.

Ein Tipp aus der Erfahrung mit vielen Anfängern: Die meisten trauen sich nicht, etwas Falsches zu tippen. Aber es gibt nichts Falsches. Tippfehler, halbe Sätze, Fragen ohne Fragezeichen: Der Assistent versteht das fast immer trotzdem. Und wenn nicht, sagt er es, und du versuchst es anders.

Sorge 2: Sieht jemand, was ich schreibe?

Hier ist eine ehrliche Antwort wichtig, denn ganz „nein" wäre gelogen.

Was du in den Assistenten schreibst, wird nicht auf deinem Computer verarbeitet. Es wird über das Internet an die Rechner der Firma geschickt, die den Assistenten anbietet. Dort wird die Antwort erzeugt und zu dir zurückgeschickt. Deine Gespräche werden bei dieser Firma gespeichert, damit du sie später noch einmal anschauen kannst.

Das heißt: Es sitzt kein Mensch am anderen Ende und liest mit, während du tippst. Aber deine Texte liegen auf den Rechnern einer Firma, so wie deine E-Mails auf den Rechnern deines E-Mail-Anbieters liegen.

Die Anbieter haben Einstellungen, mit denen du bestimmen kannst, ob deine Gespräche zum Verbessern des Programms verwendet werden dürfen. Wo genau diese Einstellung sitzt und wie sie heißt, ändert sich immer wieder [prüfen]. Wir schauen sie uns in Kapitel 3 an.

Daraus folgt eine einfache Regel, die du dir schon jetzt merken kannst: Schreibe in den Assistenten nichts hinein, was du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Keine Passwörter. Keine Kontonummern. Keine Krankheitsgeschichten von anderen Menschen. Alles andere, ein Brief an die Enkelin, ein Rezept, eine Frage zum Gartenbau, ist völlig unbedenklich. In Kapitel 11 gibt es dazu eine Merkkarte.

Sorge 3: Kostet das Geld?

Alle drei Assistenten aus diesem Kurs kannst du kostenlos nutzen. Du legst ein Konto an (was das ist, erklären wir in Kapitel 3), und dann kannst du Fragen stellen, ohne etwas zu bezahlen.

Die kostenlose Nutzung hat Grenzen. Wenn du an einem Tag sehr viele Fragen stellst, kann es sein, dass der Assistent dich bittet, später weiterzumachen. Wie viele Fragen das sind, ändert sich immer wieder, deshalb steht hier keine Zahl [prüfen]. Für alles, was wir in diesem Kurs machen, reicht die kostenlose Nutzung.

Daneben gibt es bezahlte Angebote, die im Monat einen festen Betrag kosten. Dafür bekommt man mehr Fragen und zusätzliche Möglichkeiten. Du brauchst das für diesen Kurs nicht. Du musst beim Anlegen des Kontos auch keine Bankverbindung angeben. Wenn irgendwo nach Zahlungsdaten gefragt wird, ist das ein Angebot für die bezahlte Ausgabe, kein Zwang. Du kannst es weglassen.

Merke dir: Solange du nirgendwo eine Bankverbindung oder Kreditkarte eingegeben hast, kann dir auch nichts abgebucht werden.

Sorge 4: Werde ich abhängig oder überflüssig?

Diese Sorge ist die leiseste, aber viele haben sie. Die Antwort hat zwei Teile.

Zum Ersten: Der Assistent ist ein Werkzeug. Der Taschenrechner hat das Kopfrechnen nicht abgeschafft, aber er hat lange Rechnungen leichter gemacht. Die Waschmaschine hat niemanden überflüssig gemacht, sie hat Zeit für anderes freigegeben. So ist es auch hier. Der Assistent schreibt dir einen Entwurf. Ob der Brief abgeschickt wird, was drinsteht, an wen er geht, entscheidest du. Das Werkzeug nimmt dir Arbeit ab, nicht die Entscheidung.

Zum Zweiten: Du bestimmst, wie viel du es nutzt. Manche Menschen fragen den Assistenten jeden Tag etwas. Andere nur einmal im Monat, wenn ein schwieriger Brief kommt. Beides ist in Ordnung. Es gibt keine Pflicht, keinen Zwang und keine Nachteile, wenn du ihn wochenlang nicht benutzt.

Und noch etwas: Deine Lebenserfahrung kann der Assistent nicht ersetzen. Er weiß nicht, wie sich deine Enkelin über ein Geschenk freut, welche Nachbarin welche Blumen mag und wie man in deiner Familie Geburtstag feiert. Das weißt nur du. Der Assistent liefert die Form. Der Inhalt kommt von dir.

Schritt für Schritt: So ordnest du eine Antwort ein

In diesem Kapitel gibt es noch keine Schritte am Computer. Aber es gibt einen Ablauf im Kopf, den du dir schon jetzt angewöhnen kannst. Er hilft dir bei jeder Antwort, die du später bekommst.

  1. Lies die Antwort in Ruhe zu Ende. Nicht nur den Anfang.
  2. Frage dich: Hat der Assistent verstanden, was ich wollte? Wenn nein, ist das kein Fehler von dir. Du fragst einfach noch einmal, anders.
  3. Frage dich: Steht in der Antwort eine Zahl, ein Datum, ein Name, eine Adresse oder eine Frist? Wenn ja, merke dir: Das prüfe ich nach, bevor ich mich darauf verlasse.
  4. Frage dich: Geht es um Geld, Gesundheit, Recht oder Verträge? Wenn ja, ist die Antwort ein Anfang zum Verstehen, aber nicht das letzte Wort. Das letzte Wort hat der Fachmann, der Arzt, die Beraterin.
  5. Alles andere, Briefe, Ideen, Erklärungen, Rezepte, kannst du einfach nutzen und nach deinem Geschmack ändern.

Übung: Deine drei Fragen (etwa 15 Minuten, ohne Computer)

Nimm ein Blatt Papier und einen Stift. Du brauchst jetzt keinen Computer.

Schreibe drei Dinge auf, bei denen dir ein sehr belesener, geduldiger Bekannter im Alltag helfen könnte. Denke an die letzten Wochen. Gab es einen Brief, den du nicht verstanden hast? Einen Glückwunsch, bei dem dir die Worte fehlten? Eine Frage, die du niemanden fragen wolltest, weil sie dir zu klein vorkam?

Hier ist ein Beispiel, wie so ein Zettel aussehen kann. Du kannst die Fragen abschreiben oder eigene erfinden:

1. Ich möchte meiner Enkelin zum 18. Geburtstag etwas Schönes schreiben, aber mir fällt nur „Alles Gute" ein.

2. Ich habe einen Brief von der Krankenkasse bekommen und verstehe nicht, ob ich etwas tun muss.

3. Ich habe Zucchini, Eier und Käse im Kühlschrank und keine Idee, was ich damit koche.

Diese drei Fragen hebst du auf. In Kapitel 4 stellen wir die erste davon dem Assistenten. Dann siehst du, was er daraus macht.

Zweiter Teil der Übung: Schreibe unter deine drei Fragen eine Sache, die du dem Assistenten auf keinen Fall schreiben würdest. Zum Beispiel deine Kontonummer. Damit hast du deine erste eigene Sicherheitsregel aufgestellt, noch bevor du das Programm zum ersten Mal siehst.

Was tun, wenn …

… du dich fragst, ob du für so etwas zu alt bist? Nein. Das Programm bedienst du durch Schreiben und Lesen. Das kannst du seit Jahrzehnten. Alles Weitere sind zwei oder drei Knöpfe, die wir Schritt für Schritt anschauen. Menschen, die noch nie einen Computer bedient haben, brauchen für den ersten Zugang eine Begleitung, danach geht es allein.

… dir jemand erzählt hat, die KI sei gefährlich oder würde alles mithören? Der Assistent hört nichts mit. Er kann nur lesen, was du ihm schreibst, und nur dann, wenn du das Fenster geöffnet hast. Er hat keinen Zugang zu deinem Mikrofon, deinen Fotos oder deinen E-Mails, es sei denn, du gibst ihm etwas ausdrücklich. Die berechtigte Vorsicht ist eine andere: Schreibe keine Geheimnisse hinein. Das lernen wir in Kapitel 11.

… du das Gefühl hast, du müsstest erst alles verstehen, bevor du anfängst? Musst du nicht. Du musst nicht wissen, wie ein Motor funktioniert, um Auto zu fahren. Es reicht das Bild vom belesenen Bekannten, der sich irren kann. Alles Weitere kommt beim Ausprobieren.

Zusammenfassung

Ein KI-Assistent ist ein Programm, mit dem du dich schriftlich unterhalten kannst, wie mit einem sehr belesenen, geduldigen Bekannten, der dich nicht kennt und sich irren kann. Du kannst nichts kaputt machen, es kostet nichts, solange du keine Bankverbindung angibst, und es liest niemand mit, aber deine Texte werden bei der Anbieterfirma gespeichert, deshalb gehören Passwörter und Kontonummern nicht hinein. Der Assistent liefert Entwürfe und Erklärungen, die Entscheidungen bleiben bei dir.