Kapitel 2 von 12

Kapitel 2 – Claude, ChatGPT und Gemini im Überblick

Was lernst du in diesem Kapitel

Du lernst die drei bekanntesten KI-Assistenten kennen: Claude, ChatGPT und Gemini. Du erfährst, wer sie herstellt, was sie gemeinsam haben und wo sie sich unterscheiden. Und du verstehst, warum dieser Kurs mit Claude arbeitet. Am Ende hast du alle drei einmal mit eigenen Augen gesehen, ohne etwas einzugeben.

Drei Bäckereien im Ort

Stell dir vor, in deinem Ort gibt es drei Bäckereien. Alle drei backen Brot, Brötchen und Kuchen. Bei allen dreien bekommst du, was du zum Frühstück brauchst. Und trotzdem sind sie nicht gleich: Die eine hat das bessere Roggenbrot, die andere die freundlichere Bedienung, die dritte liegt direkt neben dem Supermarkt, in dem du sowieso einkaufst.

So ist es auch mit den KI-Assistenten. Claude, ChatGPT und Gemini können im Kern dasselbe: Du schreibst eine Frage oder eine Bitte hinein, und sie antworten in ganzen Sätzen. Alle drei schreiben Briefe, erklären schwierige Texte, übersetzen und geben Ideen. Wer einen von ihnen bedienen kann, kann die anderen beiden auch bedienen. Die Unterschiede liegen im Detail.

Falls du Kapitel 1 nicht gelesen hast, hier das Wichtigste in einem Satz: Ein KI-Assistent ist ein Programm, das aus riesigen Mengen gelesener Texte gelernt hat, in ganzen Sätzen zu antworten, wie ein sehr belesener, geduldiger Bekannter, der dich nicht kennt und sich irren kann.

Die drei Assistenten im Steckbrief

Claude

Hersteller: Die Firma Anthropic aus den USA.

Wo findest du ihn: Im Internet unter der Adresse claude.ai. Auf dem Handy als eigenes Programm für iPhone und Android.

So meldet man sich an: Entweder mit einem vorhandenen Google-Konto oder mit deiner E-Mail-Adresse. Bei der E-Mail-Adresse bekommst du jedes Mal einen Anmeldelink per E-Mail zugeschickt. Ein eigenes Passwort für Claude gibt es nicht. Das ist für viele Anfänger ein Vorteil, weil man sich kein weiteres Passwort merken muss. Man muss nur an seine E-Mails kommen.

Kostenlos: Ja, es gibt eine kostenlose Ausgabe. Die bezahlten Ausgaben heißen zum Beispiel „Pro". Die kostenlose reicht für diesen Kurs.

Was auffällt: Claude ist bekannt für ausführliche, sorgfältig formulierte Texte und für einen höflichen, ruhigen Ton. Für Briefe und Erklärungen ist das angenehm.

ChatGPT

Hersteller: Die Firma OpenAI aus den USA.

Wo findest du ihn: Im Internet unter der Adresse chatgpt.com. Auf dem Handy als eigenes Programm.

So meldet man sich an: Mit E-Mail-Adresse und einem selbst gewählten Passwort, oder mit einem vorhandenen Konto bei Google, Microsoft oder Apple.

Kostenlos: Ja, ChatGPT ist kostenlos nutzbar. Bezahlte Ausgaben gibt es dazu.

Was auffällt: ChatGPT ist der bekannteste der drei. Wenn in der Zeitung von „der KI" die Rede ist, ist meistens ChatGPT gemeint. Deshalb kennen ihn viele vom Namen her, und Verwandte oder Bekannte haben ihn oft schon einmal ausprobiert.

Gemini

Hersteller: Google.

Wo findest du ihn: Im Internet unter der Adresse gemini.google.com. Auf dem Handy als eigenes Programm, auf vielen Android-Handys ist es bereits vorinstalliert.

So meldet man sich an: Mit einem Google-Konto. Wer schon eine Gmail-Adresse hat, hat ein Google-Konto und kann sofort loslegen. Einige wenige Funktionen gehen laut Google auch ohne Anmeldung.

Kostenlos: Ja, die Grundausgabe ist kostenlos. Bezahlte Ausgaben gibt es dazu.

Was auffällt: Gemini ist eng mit den anderen Google-Diensten verbunden, zum Beispiel mit der Google-Suche und mit Gmail. Wer sowieso alles bei Google hat, findet Gemini gleich um die Ecke, wie die Bäckerei neben dem Supermarkt.

Was alle drei gemeinsam haben

Sie funktionieren im Grunde gleich. Unten auf dem Bildschirm ist ein Feld, in das du schreibst. Darüber erscheint die Antwort. Links am Rand findest du deine alten Gespräche.

Sie sind alle kostenlos nutzbar, mit Grenzen. Wer sehr viel schreibt, wird irgendwann gebeten, später weiterzumachen oder eine bezahlte Ausgabe zu nehmen. Wo genau die Grenzen liegen, ändert sich bei allen drei Anbietern immer wieder, deshalb steht hier keine Zahl [prüfen].

Sie können sich alle irren. Keiner der drei ist verlässlicher als die anderen, wenn es um Zahlen, Daten, Namen und Fristen geht. Alles, was wichtig ist, prüfst du nach, egal welchen Assistenten du fragst. Es gibt allerdings einen Handgriff, mit dem du Fehler deutlich verringern kannst: eine Dauerregel, die du einmal in den Einstellungen hinterlegst, zum Beispiel „Erfinde nichts, und frage nach, wenn etwas unklar ist." Wie das geht, lernst du in Kapitel 5.

Sie speichern deine Gespräche auf den Rechnern des jeweiligen Herstellers. Die Regel aus Kapitel 1 gilt für alle drei: Nichts hineinschreiben, was nicht auf eine Postkarte gehört.

Wo sie sich unterscheiden

Die ehrliche Antwort: Für das, was du in diesem Kurs lernst, sind die Unterschiede klein. Alle drei schreiben dir einen guten Geburtstagsbrief und erklären dir einen Behördenbrief.

Spürbar unterscheiden sie sich in drei Punkten.

Beim Anmelden. Claude schickt dir jedes Mal einen Anmeldelink per E-Mail, oder du nutzt dein Google-Konto. ChatGPT möchte ein Passwort oder ein Konto bei Google, Microsoft oder Apple. Gemini braucht ein Google-Konto. Wer keine Passwörter mag, ist bei Claude gut aufgehoben. Wer schon ein Google-Konto hat, hat bei Gemini den kürzesten Weg.

Bei den Zusatzfunktionen. Jeder Anbieter baut ständig neue Möglichkeiten ein: Bilder erzeugen, im Internet nachschauen, mit Stimme sprechen, Dateien lesen. Welcher Assistent was gerade kann, und ob es in der kostenlosen Ausgabe enthalten ist, ändert sich alle paar Monate. Deshalb findest du dazu in diesem Kurs keine Vergleichstabelle. Sie wäre schon veraltet, wenn du sie liest.

Im Ton. Das ist Geschmackssache, so wie die Frage, welches Roggenbrot besser schmeckt. Manche finden Claude besonders sorgfältig, andere ChatGPT besonders flott. Probiere es aus. Kapitel 11 zeigt dir, wie du dieselbe Frage zwei Assistenten stellst und die Antworten vergleichst.

Warum dieser Kurs mit Claude arbeitet

Ein Kurs braucht ein Hauptbeispiel, sonst wird jede Anleitung dreimal so lang. Wir haben uns für Claude entschieden, aus drei Gründen.

Erstens die Anmeldung ohne Passwort. Vergessene Passwörter sind der häufigste Grund, warum Anfänger aufgeben. Bei Claude fällt dieses Problem weg.

Zweitens die ruhige, übersichtliche Oberfläche. Es gibt wenig, was ablenkt.

Drittens der Ton. Claude formuliert sorgfältig und erklärt geduldig. Für Briefe und Behördentexte, die Hauptaufgaben in diesem Kurs, ist das genau richtig.

Das heißt nicht, dass die anderen beiden schlechter sind. Wenn du später lieber ChatGPT oder Gemini nutzt, ist alles, was du hier lernst, dort genauso gültig. Wo es einen spürbaren Unterschied gibt, findest du in den folgenden Kapiteln einen kleinen Kasten „So geht es bei ChatGPT / Gemini".

Zwei Wörter, die du ab jetzt brauchst

Browser: Das ist das Programm auf deinem Computer, mit dem du ins Internet gehst. Es ist die Tür zum Internet. Auf den meisten Windows-Computern heißt diese Tür „Microsoft Edge", auf anderen „Google Chrome" oder „Firefox". Du erkennst den Browser am Symbol auf dem Bildschirm und daran, dass oben eine lange Leiste ist, in der eine Internetadresse steht. Alle drei Assistenten benutzt du durch diese Tür.

Adressleiste: Die lange Leiste ganz oben im Browser. Dort tippst du eine Internetadresse ein, zum Beispiel claude.ai, und drückst die Eingabetaste. Das ist wie eine Hausnummer, die du dem Taxifahrer nennst.

Schritt für Schritt: Die drei Startseiten anschauen

Heute gibst du noch nichts ein und legst noch kein Konto an. Du schaust dir nur an, wie die drei Startseiten aussehen. Das nimmt die Fremdheit.

  1. Öffne den Browser. Klicke doppelt auf das Browser-Symbol auf dem Bildschirm, oder klicke einmal auf das Symbol in der Leiste ganz unten am Bildschirmrand. Es öffnet sich ein Fenster mit einer Adressleiste oben.
  2. Klicke einmal mit der Maus in die Adressleiste. Der Text, der dort steht, wird blau markiert. Das ist richtig so, er wird durch das ersetzt, was du jetzt tippst.
  3. Tippe: claude.ai und drücke die Eingabetaste (die große Taste rechts, oft mit einem abgeknickten Pfeil). Es erscheint die Startseite von Claude. Du siehst vermutlich eine Aufforderung, dich anzumelden. Das machen wir erst in Kapitel 3. Schau dir nur an, wie die Seite aussieht.
  4. Klicke wieder in die Adressleiste. Tippe: chatgpt.com und drücke die Eingabetaste. Es erscheint die Startseite von ChatGPT. Auch hier: nur anschauen.
  5. Klicke wieder in die Adressleiste. Tippe: gemini.google.com und drücke die Eingabetaste. Es erscheint die Startseite von Gemini.
  6. Wenn du fertig bist: Schließe das Browser-Fenster. Dazu klickst du auf das kleine Kreuz ganz oben rechts im Fenster. Es passiert nichts weiter. Nichts ist gespeichert, nichts ist angelegt.

Falls auf einer der Seiten ein Fenster aufgeht, das nach Cookies fragt: Das ist eine gesetzlich vorgeschriebene Nachfrage, ob die Seite kleine Merkzettel auf deinem Computer ablegen darf. Du kannst „Ablehnen" oder „Nur notwendige" wählen, wenn es das gibt, sonst „Akzeptieren". Für das Anschauen der Seite ist beides in Ordnung.

Übung: Drei Eindrücke (etwa 15 Minuten)

Nimm den Zettel aus Kapitel 1 dazu, oder ein neues Blatt.

Rufe die drei Startseiten nacheinander auf, so wie in der Anleitung oben. Schau dir jede Seite eine Minute lang an, ohne etwas anzuklicken. Schreibe dann zu jeder Seite einen einzigen Satz auf: Wie wirkt sie auf dich?

So kann dein Zettel aussehen:

Claude: Sehr aufgeräumt, wenig Text, ich soll mich anmelden.

ChatGPT: Da steht schon ein Eingabefeld, sieht nach viel aus.

Gemini: Erinnert mich an die Google-Suche.

Es gibt keine richtige Antwort. Es geht nur darum, dass die drei Seiten für dich keine Fremden mehr sind. Wenn du in Kapitel 3 zum ersten Mal auf claude.ai etwas anklickst, hast du die Seite schon einmal gesehen.

Zweiter Teil: Schreibe unter die drei Sätze, welchen der drei du dir als Ersten zutrauen würdest, und warum. Das darf auch ein anderer als Claude sein.

Was tun, wenn …

… beim Eintippen der Adresse etwas ganz anderes erscheint, zum Beispiel eine Liste mit Suchergebnissen? Dann hast du wahrscheinlich nicht in die Adressleiste oben getippt, sondern in ein Suchfeld mitten auf der Seite. Das ist nicht schlimm. Meistens steht in der Liste ganz oben ein Eintrag mit dem richtigen Namen, den kannst du anklicken. Oder du klickst noch einmal ganz oben in die lange Leiste und tippst die Adresse dort ein.

… die Seite auf Englisch erscheint? Das passiert bei allen drei Anbietern gelegentlich, vor allem bevor man angemeldet ist. Die Assistenten selbst antworten auf Deutsch, sobald du auf Deutsch schreibst. Für heute reicht es, die Seite anzuschauen. Wenn du ein Wort nicht verstehst, ist das kein Hindernis für die nächsten Schritte.

… ein Fenster fragt, ob du ein Programm herunterladen oder installieren möchtest? Nein, das brauchst du nicht. Alle drei Assistenten funktionieren im Browser, ohne dass etwas auf dem Computer installiert wird. Klicke das Fenster mit dem Kreuz zu oder wähle „Später" oder „Nein danke". Die Handy-Programme sind Thema in Kapitel 10.

Zusammenfassung

Claude (von Anthropic), ChatGPT (von OpenAI) und Gemini (von Google) sind drei KI-Assistenten, die im Kern dasselbe können und sich vor allem beim Anmelden, bei den Zusatzfunktionen und im Ton unterscheiden. Alle drei sind kostenlos nutzbar, alle drei speichern deine Gespräche beim Hersteller, und alle drei können sich irren. Dieser Kurs arbeitet mit Claude, weil die Anmeldung ohne Passwort auskommt, die Oberfläche ruhig ist und der Ton für Briefe und Erklärungen passt; alles Gelernte gilt aber auch für die beiden anderen.