Kapitel 5 von 12

Kapitel 5 – Gute Fragen stellen

Was lernst du in diesem Kapitel

Du lernst, warum dieselbe Bitte einmal eine brauchbare und einmal eine unbrauchbare Antwort ergibt, und woran das liegt. Du bekommst ein einfaches Muster mit vier Bausteinen, mit dem du jede Bitte so formulierst, dass Claude weiß, was du willst. Und du hinterlegst eine Dauerregel, die in jedem künftigen Gespräch gilt.

Der Handwerker

Stell dir vor, du rufst einen Handwerker an und sagst: „Machen Sie mal was am Bad." Der Handwerker kommt, schaut sich um und macht irgendetwas. Vielleicht streicht er die Wand, obwohl du den tropfenden Wasserhahn meintest.

Jetzt sagst du stattdessen: „Der Wasserhahn am Waschbecken tropft, links, seit Montag. Bitte reparieren, und wenn ein Ersatzteil nötig ist, vorher anrufen." Der Handwerker weiß genau, was zu tun ist. Er muss nicht raten.

Claude ist dieser Handwerker. Er ist willig und geschickt, aber er kann nicht in deinen Kopf schauen. Alles, was du nicht sagst, muss er raten. Und beim Raten liegt er oft daneben, nicht weil er schlecht wäre, sondern weil es viele Möglichkeiten gibt.

„Schreib mir einen Brief" ist „Machen Sie mal was am Bad". Claude weiß nicht, an wen, worüber, wie lang, in welchem Ton. Er wird einen Brief schreiben, aber wahrscheinlich nicht den, den du meintest.

Falls du Kapitel 4 nicht gelesen hast: Dort steht, wie du bei Claude eine Frage eingibst und wie du nachfragst. Dieses Kapitel setzt voraus, dass du das schon einmal gemacht hast.

Ein Versuch, der den Unterschied zeigt

Schau dir diese zwei Bitten an. Beide gehen an Claude, im selben Gespräch nacheinander.

Erste Bitte:

Schreib mir einen Brief an meine Enkelin.

Claude wird einen Brief schreiben. Er wird vermutlich allgemein bleiben, vielleicht zu lang, vielleicht mit Anlässen, die gar nicht stimmen, und mit Platzhaltern wie „[Name der Enkelin]". Du müsstest fast alles ändern.

Zweite Bitte:

Schreib mir einen Brief an meine Enkelin Lena zum 18. Geburtstag. Herzlich, aber nicht kitschig. Etwa zehn Sätze. Ich bin ihre Großmutter. Erwähne, dass ich stolz auf ihr Abitur bin und dass ich mich auf unseren gemeinsamen Ausflug nach Konstanz im Sommer freue.

Dieser Brief wird auf Anhieb brauchbar sein. Nicht perfekt, aber so nah dran, dass du nur noch ein, zwei Sätze anpasst.

Der Unterschied liegt nicht in Claude. Der Unterschied liegt in der Bitte.

Die vier Bausteine

Du musst keine langen Aufsätze schreiben. Eine gute Bitte besteht aus vier Bausteinen, und jeder ist nur ein halber Satz.

Was soll entstehen? Ein Brief, eine Liste, eine Erklärung, ein Rezept, eine Übersetzung. Nenne es beim Namen.

Für wen oder wozu? An die Enkelin, an die Versicherung, für mich zum Verstehen, zum Vorlesen im Verein. Das bestimmt den Ton.

Wie lang? Fünf Sätze, eine halbe Seite, drei Punkte, so kurz wie möglich. Ohne diese Angabe neigt Claude zu langen Antworten.

In welchem Ton? Herzlich, sachlich, bestimmt, humorvoll, einfach, ohne Fremdwörter. Ein Wort reicht.

Dazu kommt, wenn du willst, ein fünfter Baustein: Was soll auf jeden Fall drinstehen? Namen, Daten, ein bestimmter Satz, eine Tatsache. Alles, was Claude nicht wissen kann, weil es nur du weißt.

Merksatz: Was, für wen, wie lang, in welchem Ton, und was unbedingt rein muss.

Nachbessern ist erlaubt

Die erste Antwort ist ein Entwurf, kein Endergebnis. Du kannst so oft nachbessern, wie du willst, und das ist keine Schwäche, sondern der normale Weg. Ein paar Nachfragen, die fast immer helfen:

Kürzer.

Herzlicher.

Ohne Fremdwörter.

Streiche den zweiten Absatz.

Schreib das noch einmal, aber in der Du-Form.

Gib mir drei verschiedene Versionen.

Du musst dabei nichts wiederholen. Claude weiß aus dem Gespräch, um welchen Text es geht.

Schritt für Schritt: Eine Bitte nach dem Muster aufbauen

  1. Überlege, bevor du tippst, die vier Bausteine. Du kannst sie auf einen Zettel schreiben: Was? Für wen? Wie lang? Welcher Ton?
  2. Klicke in das Eingabefeld und tippe die Bausteine als normale Sätze hintereinander. Es muss nicht schön formuliert sein. Claude versteht auch Stichworte.
  3. Ergänze, was Claude nicht wissen kann: Namen, Anlass, Ort, Datum, die Tatsache, die unbedingt rein muss.
  4. Schicke die Bitte ab und lies die Antwort.
  5. Bessere nach: eine Nachfrage pro Punkt, der dich stört. Erst die Länge, dann der Ton, dann die Einzelheiten.
  6. Wenn du zufrieden bist, lies den Text noch einmal wie ein Fremder: Stimmen die Namen, das Datum, der Anlass? Claude verwechselt so etwas gelegentlich.

Die Dauerregel: Einmal sagen, immer gültig

Es gibt Dinge, die du Claude jedes Mal sagen würdest, wenn du könntest: Antworte auf Deutsch. Erfinde nichts. Frag nach, wenn etwas unklar ist. Statt das in jedes Gespräch zu tippen, hinterlegst du es einmal in den Einstellungen. Claude beachtet es dann in jedem Gespräch, auch in denen, die du erst nächstes Jahr führst.

Das ist wie ein Zettel am Kühlschrank für alle, die in deinem Haushalt kochen: „Kein Koriander." Man muss es nicht jedem einzeln sagen.

Wichtig, damit du dich nicht in falscher Sicherheit wiegst: Die Dauerregel „Erfinde nichts" macht Claude vorsichtiger. Er fragt öfter nach und sagt öfter „das weiß ich nicht". Aber er kann trotzdem falsch liegen, weil er auch mit dieser Regel keine Quelle nachschlägt, sondern Text bildet. Die Regel verringert Fehler deutlich. Sie schließt sie nicht aus. Wichtiges prüfst du weiterhin nach, dazu mehr in Kapitel 11.

Schritt für Schritt: Die Dauerregel hinterlegen

  1. Klicke links unten auf deinen Namen oder deine Anfangsbuchstaben. Es öffnet sich ein kleines Menü.
  2. Klicke auf „Einstellungen" (englisch „Settings").
  3. Suche den Bereich, in dem du Claude Anweisungen für alle Gespräche geben kannst. Er heißt laut Anbieter sinngemäß „Anweisungen für Claude" (englisch „Instructions for Claude") oder ist als Frage formuliert, etwa „Welche persönlichen Vorlieben soll Claude beachten?" [prüfen: genaue Bezeichnung und Ort]. Es ist ein leeres Textfeld.
  4. Klicke in das Textfeld und tippe deine Dauerregel. Hier ein bewährter Text zum Abtippen oder Kopieren:

Antworte mir immer auf Deutsch. Schreibe kurze Sätze und keine Floskeln. Erfinde keine Auskünfte, Zahlen oder Namen. Wenn du etwas nicht sicher weißt, sag das offen. Wenn meine Frage unklar ist, frag nach, statt zu raten.

  1. Speichere, falls es einen Knopf „Speichern" gibt. Manche Felder speichern von selbst, wenn du sie verlässt [prüfen].
  2. Schließe die Einstellungen. Beginne ein neues Gespräch und stelle eine Frage. Die Regel wirkt ab sofort, in jedem Gespräch.

Du kannst die Regel jederzeit ändern oder erweitern. Manche schreiben hinein: „Sprich mich mit Du an." Andere: „Ich bin 72 und kenne mich mit Computern wenig aus, erkläre Schritt für Schritt." Alles, was für dich immer gilt, gehört hierhin. Was nur für ein Gespräch gilt, schreibst du in das Gespräch.

So geht es bei ChatGPT / Gemini

ChatGPT: Eine ähnliche Dauerregel gibt es dort in den Einstellungen unter einem Punkt, der sinngemäß „Personalisierung" oder „Individuelle Anweisungen" heißt [prüfen].

Gemini: Google bietet in den Einstellungen ebenfalls einen Bereich für dauerhafte Anweisungen, die Bezeichnung ändert sich [prüfen]. Die vier Bausteine für gute Fragen gelten bei beiden genauso.

Übung: Vorher und nachher (etwa 20 Minuten)

Erster Teil, ohne Dauerregel: Beginne ein neues Gespräch. Tippe nur:

Schreib mir einen Brief an meine Enkelin.

Lies die Antwort und schreibe auf deinen Zettel, was daran nicht passt.

Dann tippe im selben Gespräch die ausführliche Bitte:

Schreib mir einen Brief an meine Enkelin Lena zum 18. Geburtstag. Herzlich, aber nicht kitschig. Etwa zehn Sätze. Ich bin ihre Großmutter. Erwähne, dass ich stolz auf ihr Abitur bin und dass ich mich auf unseren gemeinsamen Ausflug nach Konstanz im Sommer freue.

Ersetze Namen, Anlass und Ort durch deine eigenen, wenn du magst. Vergleiche die beiden Antworten. Bessere die zweite mit zwei Nachfragen nach, zum Beispiel „Kürzer" und „Der letzte Satz soll ein Wunsch für die Zukunft sein".

Zweiter Teil: Hinterlege die Dauerregel, wie oben beschrieben.

Dritter Teil, mit Dauerregel: Beginne ein neues Gespräch und stelle eine Frage, bei der Claude raten müsste:

Wann hat das Rathaus in meiner Stadt geöffnet?

Ohne die Regel würde Claude vielleicht Öffnungszeiten erfinden. Mit der Regel sollte er nachfragen, welche Stadt du meinst, oder sagen, dass er das nicht wissen kann. Schreibe auf, was passiert ist.

Was tun, wenn …

… Claude Platzhalter in eckigen Klammern schreibt, zum Beispiel „[Name einfügen]"? Dann fehlte ihm eine Angabe. Schreibe die fehlende Angabe als Nachfrage: „Der Name ist Lena, setz ihn ein." Oder ergänze beim nächsten Mal den fünften Baustein von Anfang an.

… die Antwort viel zu lang ist? Das ist die häufigste Beschwerde. Schreibe: „Kürze auf die Hälfte." Oder nenne beim nächsten Mal gleich eine Länge: „fünf Sätze", „höchstens zehn Zeilen".

… du das Feld für die Dauerregel nicht findest? Die Einstellungen werden alle paar Monate umgebaut. Schaue in den Einstellungen nach Wörtern wie „Anweisungen", „Vorlieben", „Präferenzen", „Profil" oder „Personalisierung". Wenn du es nicht findest, frag Claude selbst: „Wo kann ich in den Einstellungen dauerhafte Anweisungen hinterlegen?" Er kennt seine eigene Oberfläche meistens.

Zusammenfassung

Claude kann nicht in deinen Kopf schauen; alles, was du nicht sagst, muss er raten, und deshalb ergibt „Schreib mir einen Brief" einen beliebigen Brief. Eine gute Bitte nennt in halben Sätzen, was entstehen soll, für wen, wie lang, in welchem Ton und was unbedingt drinstehen muss; die erste Antwort ist ein Entwurf, den du mit kurzen Nachfragen nachbesserst. Eine Dauerregel in den Einstellungen („Antworte auf Deutsch, erfinde nichts, frag nach") gilt für alle Gespräche und verringert Fehler deutlich, ersetzt aber das Nachprüfen nicht.