Kapitel 6 von 12

Kapitel 6 – Alltagshilfe 1: Briefe, E-Mails, Glückwünsche, Beschwerden

Was lernst du in diesem Kapitel

Du lässt dir von Claude Schreiben für den Alltag verfassen: einen Glückwunsch, eine Absage, eine Beschwerde, eine Anfrage. Du lernst, wie du den fertigen Text aus Claude in deine E-Mail oder in ein Schreibprogramm übernimmst. Und du übst die wichtigste Regel dabei: Der Text ist ein Entwurf, der letzte Blick gehört dir.

Der Sekretär

Früher hatten Menschen in wichtigen Stellungen einen Sekretär oder eine Sekretärin. Man sagte: „Schreiben Sie bitte der Firma Müller, dass die Lieferung zu spät kam und ich eine Erklärung erwarte. Höflich, aber deutlich." Kurz darauf lag ein fertiger Brief auf dem Tisch. Man las ihn durch, änderte hier ein Wort, strich dort einen Satz, und unterschrieb.

Genau das macht Claude für dich. Du sagst, was der Brief bewirken soll und in welchem Ton, und du bekommst einen Entwurf. Dann liest du ihn durch, änderst, was dir nicht gefällt, und erst dann geht er raus. Der Sekretär schreibt. Unterschreiben tust du.

Das ist nicht nur eine schöne Arbeitsteilung, sondern eine Sicherheitsregel. Claude kennt deine Nachbarin nicht, deine Versicherung nicht, deine Familie nicht. Er kann einen Namen verwechseln, ein Datum falsch setzen oder einen Ton treffen, der nicht zu dir passt. Das fällt dir beim Durchlesen auf. Deshalb: nie ungelesen abschicken.

Falls du Kapitel 5 nicht gelesen hast, hier das Muster für eine gute Bitte in einem Satz: Sage, was entstehen soll, für wen, wie lang, in welchem Ton und was unbedingt drinstehen muss.

Vier Textsorten, vier Beispiele

Hier sind vier Bitten, die du so abtippen oder abschreiben kannst. Ersetze die Namen und Einzelheiten durch deine eigenen.

Der Glückwunsch:

Schreib mir einen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit für meine Freunde Hannelore und Werner. Wir kennen uns seit vierzig Jahren aus dem Gesangverein. Herzlich und ein bisschen humorvoll. Sechs bis acht Sätze. Ich unterschreibe mit „Eure Gisela".

Die Absage:

Schreib mir eine freundliche Absage für eine Einladung zum Klassentreffen am 12. Oktober. Grund: Ich bin an dem Wochenende bei meiner Tochter in Hamburg. Ich möchte, dass sie mich beim nächsten Mal wieder einladen. Kurz, fünf Sätze, per E-Mail an den Organisator Herrn Bauer.

Die Beschwerde:

Schreib mir eine Beschwerde an ein Versandhaus. Ich habe am 3. September einen Wasserkocher bestellt, Bestellnummer 4711-2026. Er kam mit einem Riss im Deckel an. Ich möchte einen Ersatz oder mein Geld zurück, innerhalb von 14 Tagen. Sachlich und bestimmt, nicht wütend. Höchstens eine halbe Seite. Es ist eine E-Mail, keine Briefanschrift nötig.

Die Anfrage:

Schreib mir eine E-Mail an einen Malerbetrieb. Ich möchte ein Angebot für das Streichen von zwei Zimmern, zusammen etwa 40 Quadratmeter Wandfläche, weiß, in Freiburg. Ich bitte um einen Termin zur Besichtigung, am liebsten vormittags. Höflich und kurz.

Du merkst: Jede Bitte enthält die Bausteine aus Kapitel 5. Und jede enthält Angaben, die nur du weißt, die Bestellnummer, die Namen, den Grund. Ohne sie müsste Claude Platzhalter setzen.

Schritt für Schritt: Einen Brief schreiben lassen und nachbessern

  1. Melde dich bei Claude an und beginne ein neues Gespräch (Knopf mit Plus-Zeichen oder „Neuer Chat" links oben).
  2. Tippe eine der vier Bitten oben ein, mit deinen eigenen Angaben. Schicke sie mit der Eingabetaste ab.
  3. Lies den Entwurf ganz durch. Achte auf drei Dinge: Stimmen die Namen und Daten? Passt der Ton zu dir? Steht etwas drin, das nicht stimmt oder das du nicht sagen würdest?
  4. Bessere nach, ein Punkt pro Nachfrage. Zum Beispiel: „Der zweite Absatz ist zu förmlich, schreib ihn lockerer." Oder: „Lass den Satz mit der Entschuldigung weg, ich habe nichts falsch gemacht." Oder: „Kürzer."
  5. Wenn der Text passt, lies ihn ein letztes Mal, so als hätte ihn ein Fremder geschrieben. Jetzt ist er fertig zum Übernehmen.

Schritt für Schritt: Den Text kopieren und in die E-Mail einfügen

Kopieren und Einfügen ist das Werkzeug, mit dem du Text von einer Stelle an eine andere bringst, ohne ihn abzutippen. Stell dir vor, du machst eine Fotokopie des Textes und klebst sie an anderer Stelle ein. Das Original bleibt, wo es war.

  1. Unter jeder Antwort von Claude findest du kleine Symbole. Eines davon ist zum Kopieren gedacht, meist zwei übereinanderliegende Rechtecke. Wenn du mit der Maus darauf zeigst, erscheint ein Hinweis wie „Kopieren" [prüfen: Aussehen und Ort]. Klicke darauf. Der gesamte Antworttext ist jetzt in der Zwischenablage, einem unsichtbaren Zwischenspeicher deines Computers.
  2. Falls du nur einen Teil des Textes möchtest: Klicke mit der Maus vor das erste Wort, halte die Maustaste gedrückt, ziehe bis hinter das letzte Wort und lasse los. Der Text ist jetzt farbig hinterlegt, das heißt markiert. Dann drücke die Taste Strg (ganz links unten auf der Tastatur) und halte sie gedrückt, während du die Taste C drückst. Das kopiert den markierten Text.
  3. Öffne dein E-Mail-Programm oder dein E-Mail-Postfach im Browser und beginne eine neue E-Mail, so wie du es gewohnt bist.
  4. Klicke in das große Textfeld der E-Mail, dort, wo normalerweise der Brieftext steht.
  5. Drücke die Taste Strg und halte sie gedrückt, während du die Taste V drückst. Der Text aus Claude erscheint in der E-Mail. Das ist das Einfügen.
  6. Trage Empfänger und Betreff ein, wie bei jeder E-Mail. Lies den Text ein allerletztes Mal in der E-Mail. Dann erst klickst du auf „Senden".

Merke dir die zwei Tastenkombinationen, sie funktionieren in jedem Programm auf dem Computer: Strg + C kopiert, Strg + V fügt ein. Manche merken sich: C wie Copy (das englische Wort für Kopie), V sieht aus wie ein Trichter, in den etwas hineinfällt.

Für einen gedruckten Brief fügst du den Text auf dieselbe Weise in dein Schreibprogramm ein, zum Beispiel Word, und druckst ihn dort aus. Anschrift, Datum und Unterschrift ergänzt du selbst.

So geht es bei ChatGPT / Gemini

Auch bei ChatGPT und Gemini gibt es unter jeder Antwort ein Kopieren-Symbol, meist ebenfalls zwei übereinanderliegende Rechtecke. Strg + C und Strg + V funktionieren überall gleich, weil sie zum Computer gehören, nicht zum Assistenten.

Übung: Die Beschwerde (etwa 20 Minuten)

Du schreibst eine Beschwerde, besserst sie zweimal nach und legst sie in eine E-Mail, ohne sie abzuschicken.

Erster Schritt: Beginne ein neues Gespräch und tippe die Beschwerde-Bitte von oben ein, mit dem Wasserkocher. Du kannst auch einen echten Fall aus deinem Leben nehmen, dann ersetzt du die Angaben.

Zweiter Schritt: Lies den Entwurf. Bessere zweimal nach. Vorschläge: „Mach den ersten Satz kürzer, gleich zur Sache." Und: „Füge am Ende hinzu, dass ich sonst den Verbraucherschutz einschalte, aber höflich."

Dritter Schritt: Kopiere den fertigen Text mit dem Kopieren-Symbol. Öffne eine neue E-Mail und füge den Text mit Strg + V ein. Trage als Empfänger deine eigene E-Mail-Adresse ein und als Betreff „Übung Beschwerde". Wenn du magst, schicke die E-Mail an dich selbst ab. Dann siehst du, wie sie beim Empfänger aussieht. An niemanden sonst.

Vierter Schritt: Schreibe auf deinen Zettel, wie lange du für die ganze Beschwerde gebraucht hast, vom ersten Tippen bis zur fertigen E-Mail. Beim nächsten Mal wird es schneller gehen.

Was tun, wenn …

… beim Einfügen mit Strg + V nichts passiert? Erstens: Hast du vorher kopiert? Der Zwischenspeicher ist leer, wenn du das Kopieren vergessen hast. Zweitens: Hast du vorher in das Textfeld der E-Mail geklickt? Der Text landet nur dort, wo die Schreibmarke blinkt. Drittens: Halte Strg wirklich gedrückt, während du V tippst, nicht nacheinander.

… der eingefügte Text in der E-Mail seltsam aussieht, mit Sternchen oder Rauten? Claude formatiert Texte manchmal mit Zeichen, die in der E-Mail als Sternchen erscheinen. Schreibe Claude: „Gib mir den Text als reinen Fließtext ohne Formatierung." Dann kopiere erneut.

… der Brief nach Claude klingt und nicht nach dir? Das ist die häufigste Rückmeldung, und sie ist berechtigt. Gib Claude eine Kostprobe: „So schreibe ich normalerweise: …" und füge zwei, drei Sätze von dir ein. Oder ändere einzelne Wörter von Hand. Der Entwurf ist deiner, du darfst alles daran ändern.

Zusammenfassung

Claude ist dein Sekretär: Du sagst, was der Brief bewirken soll und in welchem Ton, er liefert den Entwurf, du liest, änderst und unterschreibst. Vier Textsorten, Glückwunsch, Absage, Beschwerde, Anfrage, gelingen mit den Bausteinen aus Kapitel 5 und den Angaben, die nur du hast. Mit dem Kopieren-Symbol unter der Antwort oder mit Strg + C holst du den Text in die Zwischenablage, mit Strg + V fügst du ihn in deine E-Mail ein, und abgeschickt wird erst nach dem letzten eigenen Blick.